Nachrichtenarchiv April 2008

Nachrichtenübersicht
Öko-Landbau sichert Anbauflächen für Lebensmittel
Öko-Landbau in Rheinland-Pfalz deutlich gestiegen
Umfrage zur Umstellungsbereitschaft in Deutschland
BÖLW: Brüsseler Verordnungschaos zum Öko-Landbau stoppen!
Neue Ausgabe der Ökologie & Landbau: Herausforderung Tierernährung im Öko-Landbau
10. GEO-Tag der Artenvielfalt 2008
BÖLW begrüßt Brandenburger Erlass zum Schutz der Natur vor Gentechnik

Öko-Landbau sichert Anbauflächen für Lebensmittel

(24.04.2008) Steigende Lebensmittelpreise weltweit führen seit Wochen zu dramatischen Situationen in den Ländern des Südens. Naturland fordert in einer Presseerklärung eine Umkehr von der bisherigen Agrarpolitik hin zu einer nachhaltigen zukunftsfähigen Lösung vor allem für die Kleinbauern. Laut den Vereinten Nationen (UN) kommen zu den 850 Millionen hungernden Menschen jedes Jahr vier Millionen hinzu. Der neu veröffentlichte Bericht des Weltagrarrates (IAASTD-Report) mahnt, dass eine Reform der Landwirtschaft sofort angegangen werden muss. Dort hatten sich über 400 Wissenschaftler und Entwicklungsexperten darauf geeinigt, dass ökologische und soziale Aspekte derzeit zu kurz kämen und das traditionelle Wissen der Bauern wieder ernst genommen werden muss. Die Ursachen für den Hunger sind vielfältig und gehen über die Wahl der landwirtschaftlichen Anbaumethode hinaus. Unsinnige Exportsubventionen, Handelsbarrieren, ungerechte Landverteilung, Spekulationen auf den internationalen Agrarmärkten, Menschenrechtsverletzungen und Bürgerkriege sind einige Faktoren, die Hunger verursachen können. Doch auch Bodenverarmung, Erosion und Versalzung durch Missmanagement führen zur Aufgabe von Anbauflächen für Lebensmittel. Hier schützt der Öko-Landbau weltweit durch die Verbindung von modernen ökologischen Erkenntnissen mit traditionellem Wissen vor Ort. „Durch den nachweislich nachhaltigen Umgang mit der Umwelt sichert der Öko-Landbau langfristig die dringend benötigten Flächen für den Anbau von Lebensmitteln!“, erklärte Hans Hohenester, Präsidiumsvorsitzender von Naturland. "Der Vorschlag vom Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion Volker Kauder, die Nahrungsmittelkrise mit der Agro-Gentechnik zu lösen, ist rigoros abzulehnen“, plädierte Hans Hohenester.

Näheres: Pressemeldung, Bericht des Weltagrarrates (IAASTD-Report)

Öko-Landbau in Rheinland-Pfalz deutlich gestiegen

(21.04.2008) Der rheinland-pfälzische Landwirtschaftsminister Hendrik Hering hat die neuesten Zahlen zur Entwicklung des Öko-Landbaus in Rheinland-Pfalz vorgestellt. Danach ist die Zahl der Öko-Betriebe im Jahr 2007 um 15,5 Prozent auf 685 gestiegen. Ende 2006 waren es noch 593 Betriebe. Die ökologisch bewirtschaftete Fläche lag im vergangenen Jahr bei 24 835 Hektar, 2006 waren es noch 21 290 Hektar. Das ist ein Anstieg um 16,7 Prozent. „Die Landesregierung hat trotz gekürzter EU- und Bundesmittel die Prämiensätze für Öko-Betriebe nicht abgesenkt. Rheinland-Pfalz wird auch weiterhin Umstellungs- und Beibehaltungsprämien anbieten, um die ökologisch wirtschaftenden Betriebe im Land zu unterstützen“, betonte Minister Hering. Im Mittelpunkt der Förderung stehen das „Programm Agrar-Umwelt-Landschaft“ (PAULa), die einzelbetriebliche Investitionsförderung, die Marktförderung, die Marketingförderung sowie Beratung und Versuchswesen. Auch im Bereich des Agrarmarketings unterstützt die Landesregierung die Öko-Betriebe. Gemeinsam mit der Verbraucherzentrale ist Mitte Februar der Bio-Einkaufsführer im Internet unter www.bioeinkaufen.rlp.de freigeschaltet worden.

Näheres: Pressemeldung

Umfrage zur Umstellungsbereitschaft in Deutschland

(16.04.2008) Das Interesse konventioneller Landwirte an einer Umstellung ihres Betriebes auf ökologischen Landbau ist erstaunlich hoch. Zu diesem Ergebnis kommt der Deutsche Bauernverband (DBV) in einer repräsentativen Umfrage. Fast sieben Prozent der Landwirte können sich demnach vorstellen, ihren Betrieb "vielleicht“ innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre umzustellen. Theoretisch könnte also die Zahl der Bio-Betriebe innerhalb kurzer Zeit verdoppelt werden, so der DBV. Allerdings machen die Landwirte den tatsächlichen Schritt in die Umstellung von einer Reihe wesentlicher Bedingungen abhängig. An erster Stelle werden gesicherte Abnahmeverträge und höhere Erzeugerpreise genannt. Bessere Hilfen für die Finanzierung der Umstellungszeit und umstellungsbedingter Investitionen sind ebenfalls eine häufig genannte Voraussetzung.

Näheres: Ökoreport 03 / 2008

BÖLW: Brüsseler Verordnungschaos zum Öko-Landbau stoppen!

(11.04.2008) Die EU-Kommission hat einen Entwurf der Durchführungsbestimmungen zur neuen EU-Öko-Verordnung 834/2007 vorgelegt. In zentralen Fragen ist dieser Entwurf unzureichend, erklärt der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Skandalös ist, dass der Entwurf so kurzfristig vorgelegt wurde, dass die Wirtschaftsverbände nur eine Frist von zwei Werktagen zur Stellungnahme haben. "In dieser Frist ist es unmöglich sich seriös mit den Inhalten des Entwurfs auseinanderzusetzen", so Alexander Gerber, Geschäftsführer des BÖLW. Eine erste Sichtung ergab nicht hinnehmbare Regelungen beispielsweise für die Berechnung von Zutaten, zu zahlreichen Produktionsvorschriften und zur Kontrolle. "Der BÖLW fordert, die Einführung der neuen EU-Öko-Verordnung um ein Jahr auf 2010 zu verschieben", so Gerber. "Wenn die Durchführungsbestimmungen jetzt in dieser Weise übers Knie gebrochen werden, sind neben inakzeptablen Inhalten auch handwerkliche Fehler unvermeidbar." Bundesminister Seehofer wird vom BÖLW aufgefordert, sich mit hoher Dringlichlichkeit für dieses Anliegen in Brüssel einzusetzen.

Näheres: Pressemitteilung

Neue Ausgabe der Ökologie & Landbau: Herausforderung Tierernährung im Öko-Landbau

(09.04.2008) Hohe Futtermittelpreise, bedarfsgerechte Versorgung mit 100 Prozent Bio-Futter, Verbesserung der Nährstoffeffizienz und der Grundfutterleistungen - dies sind einige der Themen, die in der aktuellen Ausgabe der Ökologie & Landbau diskutiert werden. Dabei gilt es, die Tiergesundheit nicht aus dem Blick zu verlieren und die Tierernährung nicht nur auf Einzeltierebene, sondern auch bezogen auf den Gesamtbetrieb zu betrachten. Die Berücksichtigung innerbetrieblicher Nährstoffflüsse bei Futterbau, Futterbeschaffung, Lagerung und Ausbringung der ausgeschiedenen Nährstoffe kann beispielsweise zur besseren Ausnutzung und zum sorgsameren Umgang mit den betriebseigenen Ressourcen beitragen. Artenreiche Bestände und eine verbesserte Grünlandwirtschaft bieten Potentiale, um die Grundfutterleistungen zu verbessern. Dass die Wahl der Futtermittel auch zur Prophylaxe gegen Magen-Darm-Parasiten beitragen kann, zeigen Forschungsergebnisse mit tanninhaltigen Futtermitteln. Weitere Themen in der aktuellen Ausgabe: Eine deutschlandweite Preiserhebung zeigt, dass die Formel "öko=teuer" zu einfach gestrickt ist. Die Kastration von Ferkeln ohne Schmerzausschaltung wird in der Schweiz demnächst verboten - welche Alternativen sind möglich? Globalisierung und Welternährung - welche Rolle kann der Bio-Landbau einnehmen? Und Bio-Landbau in China: Chancen und Herausforderungen.

Näheres: Ökologie & Landbau

10. GEO-Tag der Artenvielfalt 2008

(07.04.2008) Der 10. GEO-Tag der Artenvielfalt wird dieses Jahr am 14. Juni 2008 stattfinden. Die Zeitschrift GEO und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) haben aktive Gruppen zum Mitmachen aufgerufen, in einem selbst festgelegten Gebiet innerhalb von 24 Stunden möglichst viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten zu entdecken. Das diesjährige Thema ist "Vielfalt in Schutzgebieten". Projekte können in einem Schutzgebiet durchführt werden, aber auch jeder andere Lebensraum ist für die Inventur der Artenvielfalt geeignet. Der GEO-Tag der Artenvielfalt hat sich zur größten Feldforschungsaktion in Mitteleuropa entwickelt. Bei den Veranstaltungen der vergangenen Jahre wurden regelmäßig verschollene geglaubte Arten wiederentdeckt und damit ein wertvoller Beitrag zur Erhaltung und Dokumentation der Tier- und Pflanzenwelt geleistet. Doch nicht nur Experten sind gefragt: Jeder, der sich für die Natur und deren Schutz interessiert, kann mitmachen. Kindergärten, Schulen, Universitäten, Behörden, Vereine, Naturschutzverbände und andere Organisationen, aber auch Firmen und Einzelpersonen sind zudem aufgerufen, einen eigenen GEO-Tag der Artenvielfalt zu organisieren und Begleitaktionen direkt in der eigenen Umgebung zu starten. Auf der Internetseite www.geo.de/artenvielfalt sind Informationen bereitgestellt, wie Projekte und Veranstaltungen angemeldet werden können.

Näheres: www.geo.de/artenvielfalt

BÖLW begrüßt Brandenburger Erlass zum Schutz der Natur vor Gentechnik

(02.04.2008) In Brandenburg soll künftig ein Mindestabstand von 800 Metern zwischen Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen und Naturschutzgebieten gelten. Das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt- und Verbraucherschutz (MLUV) hat in Absprache mit dem Landesbauernverband einen entsprechende Erlass angekündigt. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) begrüßt diese Initiative. "Brandenburg zeigt damit auf, wie die Bundesländer den Defiziten des Gentechnikgesetzes begegnen können, um Schäden an der Natur zu begrenzen. Die anderen Bundesländer sind nun aufgefordert, es den Brandenburgern gleich zu tun", kommentierte Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des BÖLW den Erlass. "Nach wie vor gibt es erhebliche Sicherheitsbedenken zum genmanipulierten Mais und kein Monitoring, das die Schäden erfasst." An Bundeslandwirtschaftminister Seehofer richtet der BÖLW die Forderung, den Anbau des umstrittenen Maises MON 810 nach dem Vorbild anderer europäischer Staaten zu stoppen.

Näheres: Pressemeldung