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Startseite > Service > Nachrichtenarchiv > Juni 2010
(29.06.2010) Die Teilnehmer aus rund 20 europäischen Staaten der Konferenz zu "High Nature Value Farming" auf der Insel Vilm haben sich für eine stärkere Förderung für landwirtschaftliche Betriebe mit einem hohen Naturwert ausgesprochen. Beispiele aus allen Teilen Europas zeigten, dass landwirtschaftliche Betriebe mit einem hohen Naturwert massiv vom Rückgang betroffen sind, weil gegenüber einer intensiven, weniger naturfreundlichen Landwirtschaft eine finanzielle Benachteiligung gegeben ist. Um konkurrenzfähig zu werden, bedarf es nach Ansicht der Konferenzteilnehmer einer entsprechenden Flächenförderung für Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert als auch einer zusätzlichen betriebsbezogenen Förderung für Landwirtschaft mit hohem Naturwert. Damit könnte die Form sogar zu einem möglichen Leitmodell für einen Großteil der Landwirtschaftsbetriebe Europas werden und so die Multifunktionalität des Europäischen Agrarmodells in den Mittelpunkt der Gemeinsamen Agrarpolitik stellen. Veranstalter der Konferenz waren das Institut für Agrarökologie und Biodiversität (IFAB), das Europäische Forum für Naturschutz und Beweidung (EFNCP) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN, Insel Vilm).
(24.06.2010) Die Internationale
Vereinigung ökologischer Landbaubewegungen (IFOAM) fordert verstärkte
Bemühungen für eine Intensivierungs-strategie im Biolandbau. Gefordert
sieht der Welt-Bioverband dafür besonders die Ernährungs-
und Landwirtschaftsorganisation der UN (FAO). In einem Aufruf an die UN-Organisation
mahnt IFOAM Unterstützung an, um den Landwirten einen effektiven Ausstieg
aus dem Chemikalieneinsatz durch die Entwicklung hochertragreicher Systeme
des Biolandbaus zu ermöglichen. Die Rechte von Kleinbauern müssten
anerkannt werden. Diese müssten auch Unterstützung für den
Erhalt der Agrobiodiversität in ihren Landwirtschafts-systemen erhalten.
Weiterhin erwartet der Verband Forschungsförderung für die nachhaltige
Intensivierung der Pflanzenproduktion in den Bioforschungszentren, einer von
der FAO angeführten Initiative. IFOAM sieht die FAO nun in der Pflicht,
ein konkretes Arbeitsprogramm vorzulegen, um die Forderungen einer "ökologischen
Intensivierung" umzusetzen. Diese soll sich abheben von einer chemie-
und kapitalintensiven Landwirtschaft, die auf dem Einsatz fossiler Rohstoffe
beruht.
(23.06.2010) Die Verursacher von Gentechnik-Kontaminationen sollten per Gesetz dazu verpflichtet werden, die volle Haftung für ihr Tun zu übernehmen. Das fordern die Mitglieder der Assoziation ökologischer Lebensmittel-Hersteller (AoeL). Die AoeL hat jetzt ein Themenheft vorgelegt, in dem sie ihre Position zur Agro-Gentechnik darstellt. "Vielfalt ernährt natürlich die Welt!" ist der Titel des Themenheftes. Darin heißt es: "Nur die ökologische Lebensmittelwirtschaft - basierend auf robusten Ökosystemen - ist imstande, nachhaltige Strukturen für die gesunde Ernährung der Weltbevölkerung zu schaffen". Es sei eine unhaltbare Situation, dass trotz Anbauverboten immer wieder Saatgut mit Gentechnik-Spuren ausgesät wird. Die Konsequenzen tragen nicht nur die betroffenen Landwirte, sondern die gesamte Lebensmittel-Branche.
(21.06.2010) In Luxemburg soll die gentechnisch veränderte BASF-Kartoffel Amflora nicht auf den Markt kommen. Dies hat jetzt das Gesundheitsministerium angekündigt. Nach Österreich ist Luxemburg das zweite EU-Land, das den Anbau der Gentechnik-Kartoffel verbietet. Zwar hat die EU-Kommission über die Zulassung Anfang März beschlossen, kritische Einwände einiger Mitgliedsstaaten hätten aber nicht ausreichend Beachtung gefunden, so heißt es in einer Pressemitteilung des Gesundheitsministeriums. Luxemburg wendet daher die Schutzklausel an, womit der Anbau der Amflora vorläufig verboten ist. Der Gesundheitsminister handelt damit nach dem Vorsorgeprinzip. Durch das eingebaute Antibiotikaresistenz-Markergen könne man nicht von der Sicherheit der Kartoffel ausgehen.
(17.06.2010) Eine spezielle EU-Regelung zur Herstellung von Biowein wird es vorerst nicht geben. Nach mehrjährigem Vorlauf wurde jetzt der Kommissionsvorschlag für eine Verordnung zur Regelung spezifischer oenologischer Verfahren für die Herstellung von Biowein zurückgezogen. Aufgrund erheblichen Widerstandes gegen den Vorschlag und fehlender Mehrheiten im zuständigen beratenden EU-Ausschuss für ökologischen Landbau hat die Kommission entschieden, den Verordnungsvorschlag dort doch nicht zur Abstimmung zu stellen und damit verhindert, dass dieser abgelehnt worden wäre. Der Deutsche Weinbauverband und ECOVIN begrüßen den Schritt der Kommission, der ermöglicht, doch noch einen konsensfähigen Verordnungsvorschlag zu entwickeln. Aufgrund fehlender spezifischer kellerwirtschaftlicher Regeln für die Herstellung von Biowein ist für die Kennzeichnung bisher nur der Hinweis auf das Anbauverfahren mit der umständlichen Formulierung "Hergestellt aus ökologisch erzeugten Trauben" erlaubt. Zielsetzung ist es, vermarktungsfreundlichere Kennzeichnungen wie "Biowein" oder "Ökowein" zu ermöglichen.
(16.06.2010) Das Julius Kühn-Institut (JKI) hat ein neues Internetportal zum ökologischen Landbau mit Schwerpunkt Pflanzenschutz eingerichtet. Unter http://oekologischerlandbau.jki.bund.de können Forschungsergebnisse und Erfahrungsberichte aus der Praxis zur alternativen Krankheits- und Schädlingsabwehr abgerufen werden. Das neue Portal führt die vielfältigen Informationen, z. B. zur Biologie von Schadorganismen wie Blattläusen oder Pilzkrankheiten oder der Anwendung von Pflanzenschutz- und Pflanzenstärkungsmitteln im Ökolandbau zusammen.
(14.06.2010) Die Gesellschaft für Boden, Technik, Qualität (BTQ) hat die Francé-Medaille 2010 ausgelobt. Mit der Verleihung 2010 sollen Leistungen für eine Förderung des unmittelbaren Naturerlebnisses und der Beziehung zur Natur geehrt werden. Raoul Heinrich Francé (1874 - 1943) gilt als ganzheitlich orientierter Naturforscher, dessen Forschungen zum Bodenleben nach wie vor als bahnbrechend gelten und noch heute ein wichtiges Fundament für die modernen Wissenschaften darstellen. Sein Lebenswerk veranlasste die BTQ seit 1988 zusammen mit der Stadt Dinkelsbühl Francé-Verdienstmedaillen an Persönlichkeiten oder Gruppen zu verleihen, die sich im Sinne von Raoul H. Francé verdient gemacht haben. Dabei standen bisher ganzheitliche Naturforschung oder eine nachhaltige Förderung ökologischer Landbauformen im Vordergrund. Schriftliche Vorschläge mit Begründung können bis zum 31. Juli 2010 eingereicht werden.
(11.06.2010) Mit dem Salus-Journalistenpreis sollen journalistische Beiträge ausgezeichnet werden, die sich kritisch mit den negativen Folgen der Agro-Gentechnik auseinandersetzen. Ziel der Ausschreibung ist es, die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren und in den Medien die kritische Auseinandersetzung mit der Agro-Gentechnik zu fördern. Es werden ein Haupt- und ein Nachwuchs-Sonderpreis ausgelobt. Der Hauptpreis für den besten Beitrag ist dotiert mit einem Preisgeld von 3.000 Euro. Der Nachwuchs-Sonderpreis ist dotiert mit einem Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro. Anlass für die erstmalige Ausschreibung des Salus-Journalistenpreis ist der 85. Geburtstag des Firmeninhabers Otto Greither, der sich von jeher gegen die Patentnahme von Genen ausgesprochen hat und gentechnikfreie Lebens- und Arzneimittel fordert. Als Naturarzneimittel-Hersteller bezieht Salus daher eindeutig Position gegen den Einsatz der Agro-Gentechnik und verwendet keine Rohstoffe dieser Herkunft.
(10.06.2010) Die Internatioale Gesellschaft für Nutztierhaltung (IGN)
hat Anfang Juni an der Schweizerischen Forschungsanstalt Agroscope ART in
Tänikon/CH zum achten Mal ihren mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Forschungspreis
für artgerechte Nutztierhaltung vergeben. Der Preis richtet sich an junge
Wissenschaftler, die herausragende und anwendungsorientierte Arbeiten zur
Förderung der artgerechten Nutztierhaltung veröffentlicht haben.
Das Preisgeld ging zu gleichen Teilen von je 2.500 Euro an folgende vier Preisträger
aus Deutschland, Österreich und der Schweiz:
Der Tierarzt Dr. Dennis Müller erhielt den Preis dafür, dass
er die Anforderungen und einzelne Faktoren analysierte, die einen Einfluss
auf den Haltungserfolg einer Tierart im Zoo haben. Die Biologin Dr. Manuela
Zebunke erhielt den Preis für ihren Nachweis, dass Hausschweine es
emotional positiv bewerten, wenn ihre meist monotone, reizarme Haltungsumwelt
mit belohnten, kognitiven Herausforderungen angereichert wird. Die Tierärztin
Dr. Nina Peisker konnte erstmals belegen, dass die im Rahmen der Schlachtung
bzw. Seuchentötung derzeit üblichen Tötungsverfahren selbst
innerhalb von 30 Minuten nicht zum Tod von Feten im Mutterleib führen.
Die Studie gibt einen wichtigen Anstoß dazu, die derzeitige Gesetzgebung
zu überdenken und benennt einen möglichen Lösungsansatz zur
tierschutzgerechten Euthanasie trächtiger Tiere. Ebenfalls ausgezeichnet
wurde die Kultur- und Sozialanthropologin Dr. Silke Zeitelhofer für
ihre interdisziplinär angelegte Arbeit über die Mensch-Tier-Beziehung.
Sie analysiert, wie sich Agrarstrukturwandel und (technische) Modernisierung
auf die Beziehung zwischen Mensch und Nutztier auswirken.
(09.06.2010) Die Herausforderungen für die Land- und Ernährungswirtschaft sind gewaltig: Das Recht auf Nahrung muss gesichert und die Belastbarkeitsgrenzen ökologischer Systeme eingehalten werden. Das grundlegende Prinzip des Ökolandbaus ist es, innerhalb dieser Grenzen zu wirtschaften. Forschung zum Ökolandbau leistet deshalb wegweisende Beiträge für eine nachhaltige Landwirtschaft. Anlässlich des dritten Runden Tisches zur Pflanzengenetik" haben Umwelt- und Bioverbände ein Papier erarbeitet, in dem das Potenzial und die Bedeutung der Ökoforschung für Innovationen in der Landwirtschaft und zur Sicherung der Ernährung dargestellt wird.
(07.06.2010) Der österreichische Biolebensmittelmarkt entwickelt sich weiterhin positiv. Wie die AgrarMarkt Austria GmbH (AMA) berichtet, ist der Umsatz im vergangenen Jahr um rund fünf Prozent auf ein Rekordhoch von 984,2 Millionen Euro gestiegen. In Zeiten, in denen der Umsatz im gesamten Frischwarenbereich um 0,7 Prozent zurückgegangen sei, habe sich Bio als stabiler Faktor erwiesen. In manchen Sektoren habe sich die österreichische Produktion bereits über den heimischen Markt hinaus entwickelt. Damit habe Bio das Potenzial, ein echter Exportschlager zu werden. Der AMA zufolge wird Österreich 2010 seine Top-Position im Biolandbau weiter ausbauen. Rund 21.900 Landwirte bewirtschaften in diesem Jahr eine Fläche von 545.000 Hektar nach ökologischen Richtlinien. Der Anteil der biologischen Landwirtschaft in Österreich inklusive Almflächen betrage damit 19,5 Prozent an der Gesamtagrarfläche. Das bedeute gegenüber 2009 einen Zuwachs von 26.500 Hektar und 900 Betrieben.
(04.06.2010) Die schwarz-gelbe Koalition in Schleswig-Holstein will die Förderung des ökologischen Landbaus fast auf null senken. Das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume werde ab sofort keine Anträge mehr auf Subventionen für Äcker und Weiden bewilligen, die fünf Jahre zuvor auf Bio umgestellt wurden, berichtet die taz. Die Ökoprämie in den ersten fünf Jahren wird es einem Kabinettsbeschluss zufolge nur noch für Betriebe in Trinkwasserschutzgebieten geben. Das Land erhofft sich dadurch eine Einsparung in Höhe von rund 800.000 Euro jährlich ab 2012. Dieses bundesweit einmalige Vorgehen stößt bei den Ökoanbauverbänden auf Unverständnis: es sei widersinnig, denn es widerspricht den Zielen der Reform der EU-Agrarpolitik weg von einer Gießkannenförderung hin zur Honorierung von gesellschaftlichen Leistungen wie Klima-, Wasser- und Bodenschutz sowie zum Erhalt der Biodiversität, so Thomas Dosch, Präsident von Bioland Deutschland. Die Kürzung stehe zudem im krassen Widerspruch zu den Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.
(01.06.2010) Ein Biolebensmittel sollte von A bis Z ökologisch hergestellt sein. So erwarten es die Verbraucher, und so sollte es auch gesetzlich vorgeschrieben sein. Das teilt die Assoziation ökologischer Lebensmittel-Hersteller (AoeL) in einer Presseerklärung mit. Sie will sich dafür einsetzen, dass im Biorecht Mindestleistungen im Umweltmanagement für Unternehmen fixiert werden. So haben es die Mitglieder bei ihrer jüngsten Versammlung Mitte Mai in Fulda einstimmig beschlossen. Dabei müsste man das Rad gar nicht neu erfinden: Wie Umweltleistungen gemessen werden können, sei mit EMAS und ISO 14000 bereits bestens erprobt.