Nachrichtenarchiv März 2010

Nachrichtenübersicht
Online-Aktion gegen Sondergenehmigung für Pflanzenschutzmittel "Santana"
FH Eberswalde mit neuem Namen: Hochschule für nachhaltige Entwicklung (FH)
11. Wissenschaftstagung in Gießen: Call for Papers
8. Traineeprogramm startet - Jetzt als ausbildendes Unternehmen bewerben
"Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V." gegründet
Bioumsatz in Großbritannien um 14 Prozent gefallen
Klima-Fußabdruck für Backwaren berechnen
USA: Gericht erlaubt Anbau von Gentechnik-Zuckerrüben
Schweiz: Gentechnik-Moratorium wird verlängert
Forschungsmittel im Bundesprogramm Ökologischer Landbau werden doch nicht gekürzt
EU lässt Amflora zu - trotz gentechnikfreier Alternativen

Online-Aktion gegen Sondergenehmigung für Pflanzenschutzmittel "Santana"

(31.03.2010) Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat am 12. März 2010 eine Ausnahmegenehmigung für die Anwendung des Pflanzenschutzmittels "Santana", das den systemischen Wirkstoff Clothianidin enthält, zur Bekämpfung des Drahtwurms im Mais erteilt. Die Empörung unter den Imkern ist groß, denn 2008 war es durch den Wirkstoff Clothianidin zu einem großen Bienensterben gekommen, was zum Verbot des Beizmittels Poncho Pro führte. Während nach der scharfen Kritik der Imker das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium Pläne für einen Großversuch mit dem bienenschädlichen Pflanzenschutzmittel gestoppt hat, ist in Bayern die Ausbringung des Mikrogranulats "Santana" seit dem 16. März 2010, befristet auf 120 Tage, mit Auflagen erlaubt. Um den Protest der Imker gegen den Versuch zu unterstützen, hat Biokreis eine Online-Aktion eingerichtet. Unter www.biokreis.de findet sich eine Protestmail, die an Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner weitergeleitet wird.

FH Eberswalde mit neuem Namen: Hochschule für nachhaltige Entwicklung (FH)

(30.03.2010) Die Fachhochschule Eberswalde heißt seit dieser Woche "Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH)". Der neue Name erinnert an die 180jährige Tradition und die "grünen" Wurzeln der früheren "Forstlehranstalt Eberswalde". Nach der Wiedereröffnung 1992 hat sich die Fachhochschule als "grüner" Studien- und Forschungsstandort bundesweit einen Namen gemacht: Themen, wie nachwachsende Rohstoffe, Bioenergie und Regionale Wirtschaftsentwicklung sind fest verankert durch Forschungsprojekte mit engem Praxisbezug. Im Januar 2010 wurde die Fachhochschule für ihr vorbildliches Umweltschutzmanagement mit dem Eco-Management and Audit Scheme (EMAS) ausgezeichnet. Akutell studieren rund 1800 Studenten in Eberswalde Forstwirtschaft, Ökolandbau oder Naturschutz.

11. Wissenschaftstagung in Gießen: Call for Papers

(26.03.2010) Die 11. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau findet vom 15. bis 18. März 2011 an der Justus-Liebig-Universität in Gießen statt. Unter dem Motto "Es geht ums Ganze: Forschen im Dialog von Wissenschaft und Praxis" treffen sich dazu Experten aus Wissenschaft, Beratung und Praxis. Während der Tagung werden aktuelle Forschungsergebnisse aus den Themenfeldern Pflanzenbau, Bodenwissenschaften, Tierhaltung, Sozioökonomie und Lebensmittelverarbeitung präsentiert. Ein besonderes Forum für den Austausch von Praxis, Beratung und Forschung bieten spezielle Workshops und das "Fenster zur Praxis", dadurch soll ein ganzheitlicher Forschungsansatz gefördert werden. Organisatoren und Veranstalter der Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau 2011 sind die Professur für Organischen Landbau an der Justus- Liebig-Universität Gießen, das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL Deutschland e.V.), das Beratungsteam Ökologischer Landbau im Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) und die Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL). Bis zum 1. September 2010 können Beiträge zur Präsentation eingereicht werden.

8. Traineeprogramm startet - Jetzt als ausbildendes Unternehmen bewerben

(25.03.2010) Mit dem Traineeprogramm Ökolandbau werden junge Hoch- und Fachhochschulabsolventen für die Anforderungen Ökolebensmittelwirtschaft fit gemacht. Unternehmen der Biobranche können damit Fach- und Führungskräftenachwuchs gewinnen. Bewerbungen für die Teilnahme als ausbildendes Unternehmen im 8. Traineeprogramm Ökolandbau sind ab jetzt bis zum 31.05.2010 möglich. Die Ausbildung für die Hoch- und Fachhochschulabsolventen aus den Studiengängen Agrarwissenschaft, Gartenbau, Ernährungswissenschaft, Lebensmitteltechnologie, Betriebswirtschaft und Marketing beginnt am 01. November 2010. Sie dauert zwölf Monate - davon elf Monate "training on-the-job" und 20 Tage Schulungen und Trainings "off-the-job" in Präsenz- und E-Learning-Seminaren. Die gesamte Abwicklung erledigt die Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) als zentrale Koordinationsstelle. Das Traineeprogramm Ökolandbau ist Teil des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL), initiiert vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

"Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V." gegründet

(24.03.2010) Am 23.03. wurde in Berlin der "Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V." gegründet . Nach der Übertragung der Nutzungsrechte am "Ohne Gentechnik"-Logo durch Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner wird der Verband künftig über die Vergabe des Siegels an die Lebensmittelindustrie entscheiden. Dem Verein gehören über 30 Mitglieder aus der Milch- und Fleisch-verarbeitenden Industrie und aus dem Handel an. Bereits im Februar 2008 hatten Bundestag und Bundesrat die gesetzliche Grundlage für eine freiwillige Lebensmittelkennzeichnung "Ohne Gentechnik" verabschiedet, das Logo "Ohne Gentechnik" wurde im August 2009 der Öffentlichkeit vorgestellt. Es ist als Marke in Deutschland, der Schweiz und Österreich eingetragen und wurde bislang durch das BMELV vergeben. Es können damit Fleisch, Eier und Milch von Tieren gekennzeichnet werden, die für einen gesetzlich festgelegten Zeitraum kein gentechnisch verändertes Futter erhielten. Die Negativ-Kennzeichnung soll als Übergangslösung dienen, bis auf europäischer Ebene eine verpflichtende Regelung zur transparenten Etikettierung von Produkten von Tieren, die gentechnisch veränderte Futtermittel erhielten, beschlossen ist.

Bioumsatz in Großbritannien um 14 Prozent gefallen

(22.02.2010) In Schweden ist der Biomarkt 2009 insgesamt um 18 Prozent gewachsen. In Großbritannien hingegen sank der Bioumsatz im gleichen Jahr um 14 Prozent. 2007 war noch ein Umsatzanstieg von 4 Prozent verbucht worden. Die Gründe dafür sowie unterschiedliche Trends und Entwicklungen auf dem Biomarkt weltweit wurden beim 3. IFOAM-Handelssymposium diskutiert. Beiträge aus den USA, England, Schweden und Malaysia zeigten die Schwierigkeiten und Chancen in der Bioentwicklung auf. So wurde aus den USA berichtet, dass dreiviertel der Bürger regelmäßig oder gelegentlich Bioprodukte kaufen und dass Verbraucher verstärkt an nachhaltigen Produkten Interesse haben, mit denen sie ihre Verantwortung dokumentieren können. Daher ist die Frage der Verpackung, in der ein Erzeugnis präsentiert wird, eine der ersten Wahrnehmungen. Hier stelle sich beispielsweise die Frage der Abbaubarkeit oder des Recycling der Verpackungsmaterialien.

Klima-Fußabdruck für Backwaren berechnen

(18.03.2010) Als erstes Unternehmen europaweit veröffentlicht die Berliner Demeter-Bäckerei Märkisches Landbrot produktbezogene Klima-Fußabdrücke für ihr gesamtes Backwaren-Sortiment. Auf seiner Homepage www.landbrot.de hat das mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2009 ausgezeichnete Unternehmen einen Klimarechner veröffentlicht, mit dem die Kunden ihren persönlichen Klima-Fußabdruck beim Einkauf eines Brotes von Märkisches Landbrot ermitteln können. Dabei werden alle in der Erzeugung entstehenden Emissionen anhand der Rezepturen auf die tatsächlich produzierte Menge an Broten und Backwaren umgelegt. Die Methode ist kein feststehendes Zahlenwerk, sondern ein lebendiges System, das laufend an Betriebsänderungen oder neue Erfahrungen angepasst wird. Der CO2-Rechner soll für das Thema Klimaschutz sensibilisieren und bietet eine Möglichkeit, persönliche Einsparpotenziale für mehr Klimaschutz zu finden. Märkisches Landbrot wurde als Lieferbäckerei 1930 in Berlin-Neukölln gegründet. Seit 1981 wird ausschließlich ökologisch gebacken.

USA: Gericht erlaubt Anbau von Gentechnik-Zuckerrüben

(17.03.2010) In den USA können in diesem Jahr, wie geplant, gentechnisch veränderte Zuckerrüben angebaut und der Zucker verwertet werden. Wie Transgen berichtet, wurde eine Klage mehrerer Umweltverbände, den Anbau wegen nicht ausreichend geklärter Auskreuzungsrisiken sofort zu verbieten, von einem US-Gericht zurückgewiesen. Die Richter entschieden, dass ein sofortiges Anbauverbot für die in den USA seit 2007 genutzten Gen-Zuckerrüben wirtschaftlich unverhältnismäßig sei. Außerdem hätten die Verbände ihre Klage zu spät eingereicht, um noch für die aktuelle Anbausaison angemessene Maßnahmen treffen zu können. In den USA sind nahezu alle Zuckerrüben gentechnisch verändert. 2009 wurden sie auf einer Fläche von 475.000 Hektar angebaut und lieferten etwa die Hälfte des amerikanischen Zuckerverbrauchs. Die betreffenden RoundupReady-Zuckerrüben wurden von Monsanto zusammen mit dem deutschen Pflanzenzüchter KWS Saat entwickelt. In der EU ist der Anbau gentechnisch veränderter Zuckerrüben derzeit nicht erlaubt. Die Einfuhr von Futter- und Lebensmitteln, die - ganz oder zu einem gewissen Anteil - daraus erzeugt wurden, ist jedoch zulässig.

Schweiz: Gentechnik-Moratorium wird verlängert

(11.03.2010) Das Moratorium für gentechnisch veränderte Organismen in der Landwirtschaft wird in der Schweiz bis November 2013 verlängert. Nach dem Ständerat sprach sich auch der Nationalrat für eine entsprechende Änderung des Gentechnikgesetzes aus. Die Entscheidung für die Verlängerung des im November 2010 auslaufenden Moratoriums fiel unter anderem, da die Ergebnisse des Nationalen Forschungsprogramms (NFP), das die 'Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen' untersucht, erst Mitte 2012 vorliegen. In einer Volksabstimmung hatte sich eine Mehrheit der Schweizer 2005 dafür ausgesprochen, eine Nutzung gentechnisch veränderter Tiere und Pflanzen zunächst für einen Zeitraum von fünf Jahren zu verbieten. Gentechnikkritische Organisationen, die in der Schweizerischen Arbeitsgruppe Gentechnologie (SAG) zusammengeschlossen sind, begrüßten die Entscheidung. Die Moratoriumsverlängerung betrifft den kommerziellen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in der Schweizer Landwirtschaft. Die Forschung wird nicht eingeschränkt. Auch Freisetzungsversuche in der Umwelt zu Forschungszwecken sind erlaubt.

Forschungsmittel im Bundesprogramm Ökologischer Landbau werden doch nicht gekürzt

(09.03.2010) Der Haushaltsausschuss des deutschen Bundestages hat beschlossen, die Verpflichtungs-ermächtigungen für Forschungsprojekte im Bundesprogramm Ökologischer Landbau zu erhalten. Die Mittel werden damit nicht - wie zunächst im Februar beschlossen - um 3,3 Millionen Euro gekürzt. Nach starken Protesten von Ökoverbänden, der Opposition und Politikern des Bundestagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nahm der Haushaltsausschuss seine Entscheidung zurück. Laut Aussagen von Bioland ist es damit gelungen, die Bedeutung der ökologischen Landbauforschung für den Umwelt- und Verbraucherschutz zu verdeutlichen. Mit den Verpflichtungsermächtigungen können auch Projekte bewilligt werden, die eine Laufzeit über mehrere Jahre haben und damit über das jeweilige Haushaltsjahr hinausgehen. Die Mittel im Bundes-programm Ökologischer Landbau betragen jährlich 16 Millionen Euro, davon ca. 8 Millionen für Forschungsprojekte.

Bioland-Pressemitteilung

EU lässt Amflora zu - trotz gentechnikfreier Alternativen

(03.03.2010) EU-Gesundheitskommissar John Dalli hat den Anbau der Gentechnik-Kartoffel Amflora der Firma BASF genehmigt. Es ist die erste Anbauzulassung in der EU für gentechnisch veränderte Pflanzen seit 1998. Die stärkehaltige Kartoffel darf nun nicht nur angebaut und technisch verwertet, sondern auch für die Tierfütterung verwendet werden. Umweltorganisationen und Bioverbände kritisieren die Entscheidung scharf. Amflora enthält ein Resistenzgen gegen ein Antibiotikum, das auch in der Humanmedizin genutzt wird. "Es ist völlig unverständlich, warum ein Gesundheitskommissar die Bedenken der Europäischen Behörde für Arzneimittelprüfung an der Antibiotika-Resistenz der Amflora übergeht und dann noch eine Vermischung mit Speisekartoffeln gestattet", kommentiert der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), den Vorgang. Der NABU befürchtet, dass mit genmanipulierten nachwachsenden Rohstoffen die Gentechnik durch die Hintertür salonfähig gemacht werden soll. Die Entscheidung sei besonders unverständlich, weil mittlerweile konventionell gezüchtete Sorten mit den gleichen technischen Eigenschaften wie Amflora verfügbar sind. Verbraucherministerin Aigner hat angekündigt, den Anbau der Kartoffel in Deutschland nicht zu verhindern. Auch im Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass der Anbau der Amflora gefördert werden solle. Greenpeace kritisiert, dass damit die Interessen von Verbrauchern, Landwirten und Lebensmittelherstellern ignoriert werden. Sie wollen die Gen-Kartoffel nicht. Noch in diesem Jahr soll Amflora in Mecklenburg-Vorpommern angebaut werden, um das Pflanzgut zu vermehren.